"Der Mode entkommt man nicht. Denn auch wenn Mode aus der Mode kommt, ist das schon wieder Mode."- Karl Lagerfeld
Zu jeder Saison ist es das gleiche: Plötzlich sieht man überall die gleichen Schuhe oder Hosen in einer Farbe, die man noch letztes Jahr aus dem Kleiderschrank verbannt hatte.
Trends wechseln so schnell wie die Jahreszeiten; will man up-to-date sein, muss man am Ball bleiben, sich möglichst regelmäßig über neue Trends informieren und diese am besten eher als alle anderen tragen.
Nicht selten kann man von einem gewissen Kleidungsstil oder bestimmten Accessoires auf das Umfeld einer Person schließen, ihren Musikgeschmack oder ihre politische Einstellung erahnen. Viele Trends sind mit einem bestimmten Bild verbunden, das man in der Regel ziemlich schnell von dem Träger bekommt. Jemand, der beispielsweise vorzugsweise Kleidung von teuren Golf-Marken trägt, hinterlässt einen anderen Eindruck als jemand, der sich komplett mit Skate-Marken einkleidet. Dieses Bild entspricht natürlich nicht immer der Realität; nicht jeder, der weite Baggies trägt, liebt Hip Hop; nicht jeder mit bunten Haaren hört Punk. Doch unser Erscheinungsbild und nicht zuletzt die Kleidung, die wir tragen, sorgt dafür, dass wir recht schnell von unseren Mitmenschen in Schubladen gesteckt werden.
Vielleicht ist das der Grund, wieso Trends überhaupt so gut funktionieren?
Einem Trend zu folgen, heißt quasi in eine bestimmte Rolle zu schlüpfen.
Doch da das Image, das man bekommt, nur auf dem ersten Eindruck, dem äußeren Erscheinungsbild beruht, kann es leicht passieren, dass man sich hinter gewissen Trends versteckt. Denn eine Mode scheint meisten, eines vermitteln zu wollen:
ein bestimmtes Lebensgefühl und die Zugehörigkeit zu einer Gruppierung.
Man kann also durch seine Kleidung innerhalb von Sekunden das Bild, was andere von einem bekommen, ändern und so anpassen, wie man wahrgenommen werden möchte.
Woher kommen eigentlich Trends? Klar, von den bekannten Modeschöpfern, die regelmäßig ihre neuen Kreationen präsentieren. Auf den Laufstegen zeigen sie uns das, was später in allen Geschäften verkauft und auf einmal als schön und modern betitelt wird, und selbst wenn etwas am Anfang wenig Anklang findet, setzt es sich in der Regel doch irgendwann durch. Und jeder neue Trend drückt wieder etwas anderes aus und bietet einem die Möglichkeit, sich ein anderes Erscheinungsbild zu zaubern.
Doch warum machen wir Trends mit? Warum lassen wir uns darauf ein, das Image unserer Kleidung anzunehmen, anstatt unserer Persönlichkeit mehr Ausdruck zu verleihen? Wieso haben ein paar Designer so großen Einfluss darauf, was wir gut finden und tragen wollen?
Vielleicht weil wir uns gerne anpassen. Wir sind nicht gerne Einzelgänger, sondern suchen immer den Anschluss zu einer Gruppe. Das Gefühl der Zugehörigkeit ist extrem wichtig, man fühlt sich aufgehoben und verstanden. Das kollektive Tragen von bestimmter Kleidung vermittelt vielleicht das Gefühl, irgendwo dazuzugehören und Teil einer bestimmten Bewegung zu sein.
In 30 Jahren kann man dann alte Fotos betrachten, sich kopfschüttelnd fragen, wie man so etwas damals nur tragen konnte und sich als Teil von diesem Zeitgeist fühlen.
Da man sich aber schlecht mit Millionen von Leuten auf ein und denselben Trend einigen kann, ist es wahrscheinlich gut, einige wenige zu haben, die uns Mode geben, die wir übernehmen können. Irgendwo da liegt wahrscheinlich die Aufgabe von Modeschöpfern.
Ist es jetzt schlecht, Trends zu haben und diesen zu folgen?
Trends zu folgen ist an sich nichts Verkehrtes, und meistens bleibt einem auch nichts anderes übrig, wenn auf einmal alle Läden mit den gleichen Klamotten vollhängen.
Mode kann auch dazu beitragen, das Bild der Gesellschaft zu ändern, wie beispielsweise die Kleindung Coco Chanels, die schnell zum Trend wurde, eine gewisse Emanzipation ausdrückte. In diesen Fällen ist es wahrscheinlich sogar gut, dass Trends sich rasend schnell ausbreiten.
Ob man natürlich jeden Trend mitmachen sollte, ist fraglich. Das Wichtigste ist wie immer: Man muss sich treu bleiben.