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Mein zweites Ich - Flucht in die virtuelle Welt?

Immer mehr und intensiver spielt sich unser Leben im Internet ab. Daran sind die vielen Sozialen-Netzwerke, die einen immer höheren Stellenwert in unserer Gesellschaft einnehmen, nicht unschuldig. Dies kann für den einen ein Segen sein und für den anderen ein Fluch. Jetzt muss man sich nicht mehr nur auf de Schulhof behaupten, sondern auch seine virtuelle Persönlichkeit in die online Gemeinschaft integrieren. Hier geht es manchmal nicht mehr um Klasse, sonder nur um Masse von Freundschaften. Es ist viel leichter sich eine Online-Identität nach eigenen Wünschen und Vorstellungen zu konstruieren, als es in der analogen Welt möglich ist. So können kleine Schönheitsfehler und Charakterschwächen verschönt oder sogar ganz verschwiegen werden. Dadurch wird die echte Persönlichkeit verzerrt und ein neuer sozialer Charakter erschaffen, der den eigenen Vorstellungen entspricht, in der Hoffnung einen interessanten bzw. positiven Eindruck bei den Chatpartnern zu erwecken. Auf diese Weise können sich die Nutzer spielerisch ausprobieren. Sie handeln anders als im realen Alltag, außerhalb ihres digitalen Netzwerkes. Beispiele für die zunehmende Popularität dieser Selbstrepräsentation in „virtuellen Welten“ sind Internet-Rollenspiele wie World of Warcraft, Empire Universe oder Second Life, aber auch die bereits angesprochenen sozialen Netzwerke Facebook und studiVZ.

Soweit so gut, doch in der Praxis setzt sich der Trend zum zweiten Internet-Ich nicht durch, wie eine neue Studie beweist. Mehrere Psychologen der Mainzer Johannes Gutenberg-Universität haben gemeinsam mit einigen amerikanischen Kollegen hunderte Profile bei StudiVZ und MeinVZ sowie Facebook untersucht, um dieser weitverbreiteten und zugeben auch naheliegendem Vorurteil von Internet-Persönlichkeiten auf den Grund zu gehen. Zum Überraschen aller stellte sich heraus, dass der Großteil der Nutzer die sozialen Netzwerke nutzen, um ihrer Persönlichkeit mehr Ausdruck zu verleihen und die Nutzerprofile die eigene Persönlichkeit realistisch widerspiegeln.

Da sind sich die Forscher einig, dass es nicht verwunderlich ist, dass sich soziale Netzwerke großer Beliebtheit erfreuen. Das Bedürfnis nach Anerkennung und der Wunsch wahrgenommen zu werden, wird somit zu genüge erfüllt. Die aktuellen Ergebnisse sprechen dafür, dass sich Online-Profile wegen der Vielzahl an persönlichen Informationen und Handlungsoptionen besonders gut eignen, die eigene Persönlichkeit auszudrücken. Die Nutzer können sich gegenseitig informieren, wer da wirklich hinter steckt. Die Netzwerk-Nutzer verlassen sich auf die Informationen, das fördert das Vertrauen in solche Online-Portale und begünstigt die Kommunikation zwischen Fremden und das Kontakte knüpfen.

Dies kann einerseits daher kommen, dass es sich als weitaus schwieriger gestaltet sich auf Online-Profilen zu verstellen. Viele Informationen auf dem eigenen Profil kommen von anderen Personen des sozialen Netzwerks wie zum Beispiel Pinnwandbeiträge. Darüber hinaus geben diese Mitglieder Feedback zur eigenen Selbstdarstellung. Man kann nicht einfach hunderte neue Bekannte oder zahlreiche Fotoalben und Fotoverlinkungen von Partys erfinden, um sich beliebt darzustellen. Überhaupt scheint es hierdurch den Nutzern sehr schwer zu fallen sich zu verstellen.

Ist es nicht beruhigend zu wissen, dass doch nicht von jedem netten Chatpartner Gefahr ausgeht? Dennoch sollte man auch nicht jedem gleich blind vertrauen. Letztlich sollte jeder auf sein Bauchgefühl hören und nur das tun was er für richtig hält. Man sollte nur nie die Konsequenzen aus den Augen verlieren. 

 

 

 


von unserer Redakteurin
Vanessa Sieg
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Ausgabe: 4-2011