Kölle Alaaf! Der wohl bekannteste Spruch, wenn es um den modernen Karneval geht. Und ob sich der moderne Karneval von dem mittelalterlichen Unterscheidet, lest ihr hier.
Als Karneval wird die Zeit vor dem Aschermittwoch bezeichnet, in welcher mit unterschiedlichen Bräuchen ausgiebig und voller Lebensfreude gefeiert wird. Je nachdem, auf welche Regionen die Bräuche bezogen sind, können sie spezifische Eigenarten haben. Jedoch haben alle gemeinsam, dass man sich zum Karneval verkleidet und/oder maskiert. Wichtigen Einfluss auf den Karneval hatten die Verhöhnung der jeweiligen Machthaber zu Beginn des 19. Jahrhunderts und die Narretei. Die Narren galten als Spaßmacher und sorgten für Unterhaltung.
Im mittelalterlichen Europa waren Narrenfeste von großer Bedeutung. Vom 12. bis Ende des 16. Jahrhunderts übernahmen die unteren Kleriker vorübergehend Rang und Privilegien der höheren Geistlichen, wodurch die kirchlichen Rituale parodiert wurden. Die mittelalterliche Fastnacht wird auf die augustinischen Lehren vom Zwei-Staaten-Modell zurück geführt, weshalb Fastnacht für den „Staat des Teufels“ steht. Aus diesem Grund wurde die meist ausartende Fastnacht auch von der Kirche geduldet, da sie sie als Beispiel nutzte, dass der Mensch vergänglich sei und Gott am Ende siegreich bliebe. Somit war es von großer Bedeutung, dass die Fastnacht vor Aschermittwoch endet und sich die Feiernden wieder Gott zukehren. Die Kirche duldete sogar gotteslästernde Szenen, solange sie nur zur Fastenzeit stattfanden und nicht am oder nach Aschermittwoch. Im 14. und 15. Jahrhundert fand der Narr Einzug in die Fastnacht und sorgte für jede Menge Spaß und Unterhaltung.
Durch die Reformation verlor die Fastenzeit ihren Sinn, da die vorösterliche Variante abgeschafft wurde. Dadurch gerieten viele Bräuche wieder in Vergessenheit, jedoch ist der Karneval nach wie vor Sinnbild der katholischen Mentalität. Besonders in katholischen Gebieten gibt es in Südwestdeutschland nach wie vor Fastnachten. Eine Besonderheit stellt Basel dar, denn trotz des seit Jahrhunderten vorherrschenden Protestantismus wird dort eine alte, traditionelle Fastnacht gefeiert. In den 1990er Jahren kam es dann auch in evangelischen Gegenden zu einem „Fastnachtsboom“. Im rheinischen Raum übernahm das Bürgertum die Festgestaltung, hierbei handelte es sich um närrische Maskenbälle. Da die Straßenfastnacht nahezu ausgestorben war, wurde 1823 zur Wiederbelebung eine neue Art in Köln begründet: der heutige Karneval.
Wie ihr seht, hat sich der Karneval - bis auf den kirchlichen Hintergrund - nicht groß verändert.