Bild der Redaktion
Titelthema
„Carnevale di Venezia“: Geschichte und Ursprung des Karnevals in Venedig

Karneval. Damit verbindet man normalerweise Kindheitserinnerungen, bestehend aus Verkleidungen und Süßigkeiten. Doch woher stammt die Tradition des festlichen Verkleidens und “Verrücktseins“?

Zum ersten Mal schriftlich erwähnt wird der „Carnevale di Venezia“ 1094 in einem Schriftstück des Dogen Vitale Falier. Im Verlauf des Spätmittelalters entwickelte sich das Fest zu einer immer pompöseren und prunkvolleren Aneinanderreihung von Bällen, Theateraufführungen, Tierjagden und -kämpfen, akrobatischen Darbietungen und vielem mehr.

Zu Lebzeiten des berüchtigten Casanova (Mitte des 18. Jahrhundert) erlebte der Karneval seine Glanzzeit. Passend zu diesem Herren sank auch immer mehr die gesellschaftliche Sittsamkeit während dieser Veranstaltungen.

Nach der Eroberung Italiens durch Napoléon Bonaparte 1797 verlor die Adelsrepublik Venedig ihre Selbstständigkeit und wurde 1805/1806 an Österreich angegliedert. Durch die strikten Reformen Napoleons kam die Tradition den Karnevals fast 200 Jahre zum Erliegen.

Erst 1980 wurde er als Touristenattraktion wiederentdeckt.

Traditionell beginnt der venezianische Karneval am 26. Dezember und endet am Dienstag vor Aschermittwoch. Seit 1548 wird er mit dem sogenannten „Engelsflug“ eingeleitet. In diesem historischen Jahr balancierte einer der Akrobaten auf einem an ein Floß gebundenes Doppel-Seil über die Bucht vor dem Markusplatz bis zum Dogenpalast und schmiss dabei Blumen in die Menge.

Neben den großen Feuerwerken, den temperamentvollen Tänzen und dem regen Geschäftstreiben bildeten vor allem die Preisverleihung für das originellste Kostüm und das Marionettentheater auf dem Markusplatz die Höhepunkte des Festes.

In den einzelnen Theaterstücken ging es um die neusten Abenteuer der berühmten venezianischen „Masken“, die hier bestimmte Charaktere darstellten.

Die beliebtesten getragenen Masken waren unter anderem die „baùtta“, eine Verkleidung sowohl für Männer als auch Frauen. Sie besteht aus einem schwarzen Samt- oder Seidenumhang, einer schwarzen oder weißen Maske (volto oder larva)  und dem berühmten venezianischen Dreispitz.

Bei den Frauen war außerdem auch häufig die „moretta“, eine kleine, ovale aus Samt bestehende Maske zu sehen. Der Handel mit den venezianischen Masken entwickelte sich zu einem gewinnbringenden Geschäft. Die Masken wurden in ganz Europa zur Mode und in viele Länder importiert.

Aber auch andere Gestalten waren zu sehen. Über den Arzt, den Fischer, die griechische Göttin bis hin zu allen möglichen Tiergestalten. Vor allem auf den Kostümbällen wurden immer ausgefallenere Verkleidungen präsentiert.

Viele dieser Traditionen haben sich bis heute durchgesetzt. Bis heute beginnt der Karneval in Venedig mit dem „Engelsflug“. Auch die Preisverleihung für das originellste Kostüm ist heute eine der beliebtesten Aktionen während der Festlichkeiten.

Aus ganz Europa reisen Menschen nach Venedig um an dieser Verleihung teilzunehmen, besonders aus Frankreich, den Niederlanden, Spanien und zum Teil auch aus England und Deutschland.

Auch heutzutage sind noch viele der traditionellen Maskierungen zu sehen. Vor allem die „baùtta“ wird noch gerne getragen.

Aber auch das Marionettentheater wird noch viel besucht. Besonders von der alten Überschwänglichkeit und Feierfreude der Venezianer ist heute noch viel übrig geblieben.




von unserer Redakteurin
Eva von Wechmar
Zurück | Drucken
URL: http://www.express.schluetersche.de/service/sms/carnevale-di-venezia-geschichte-und-ursprung-des-karnevals-in-venedig.html
Zum Hauptmenü
Ausgabe: 1-2012